Bei Barka e. V. liegt es uns besonders am Herzen, die Lebenssituationen und Bedürfnisse obdachloser Menschen, insbesondere aus Osteuropa, in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen und ihnen eine Stimme zu geben. Deshalb stehen wir der Presse gerne für Gespräche und Interviews zur Verfügung. So auch unsere Geschäftsführerin, Julie Werner Markussen, für einen aktuellen Beitrag von rbb24.
In dem Artikel „Der Weg vom Zelt in die Hilfssprechstunde ist sehr schwer“ vom 12. Oktober 2026 geht es um die Räumung sogenannter Obdachlosen-Camps in Berlin und den unterschiedlichen Umgang der Bezirke damit. Der Beitrag zeigt, dass die Bezirke bereits vielfältige Hilfsangebote bereitstellen, Räumungen allein das Problem der Obdachlosigkeit jedoch nicht lösen. Aus unserer Sicht braucht es deshalb über die akute Notversorgung hinaus vor allem langfristige Perspektiven – und dafür muss das Land Berlin die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit obdachlose Menschen nachhaltig den Weg von der Straße in ein selbstbestimmtes Leben finden können.
Wir unterstützen obdachlose Menschen unabhängig von ihrer Herkunft. Durch unser Team aus einer Sozialarbeiterin und einem Erfahrungsexperten sowie unsere mehrsprachige Beratung auf Polnisch, Deutsch, Englisch und Russisch erreichen wir Menschen auf Augenhöhe – direkt auf der Straße und in Tagesstätten.
Wie der aktuelle Beitrag zeigt, arbeiten wir auch im Vorfeld angekündigter Räumungen eng mit dem Bezirksamt zusammen, um individuelle Lösungen für die Betroffenen zu finden. Doch eine Räumung löst das Problem der Obdachlosigkeit nicht – sie verlagert es lediglich. Ohne konkrete Unterbringungsangebote und langfristige Perspektiven bleiben die Betroffenen weiterhin auf der Straße.
Der Handlungsbedarf ist groß – und gerade wohnungslose EU-Bürger*innen bleiben in der Praxis häufig ohne Unterbringung. Sie landen oft im Zuständigkeits-Pingpong und finden aufgrund fehlender Sozialleistungsansprüche keinen Zugang zu langfristigen Hilfen.
Eine wichtige Ergänzung zum Artikel: Die ordnungsrechtliche Unterbringung nach dem ASOG ist grundsätzlich nicht an einen Anspruch auf Sozialleistungen gebunden. Diese Unterscheidung ist gerade für EU-Bürger*innen von großer Bedeutung.
Es braucht mehr niedrigschwellige Hilfsangebote, verlässliche Zusammenarbeit und vor allem Zugang zu einer sicheren Unterkunft und langfristig zu sicherem Wohnraum für alle, die sie benötigen.
Obdachlosigkeit erfordert jedoch nicht nur kurzfristige Hilfe, sondern vor allem langfristige Perspektiven. Und soziale Bindungen. Genau hier setzt das internationale Barka-Netzwerk seit knapp 40 Jahren erfolgreich an – mit Gemeinschaft, gegenseitiger Hilfe, beruflichen Perspektiven und Wegen zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
Mit dem Beginn der Kältesaison und dem Blick auf die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen in Berlin hoffen wir auf konkrete Verbesserungen für obdach- und wohnungslose Menschen. Wir appellieren daher an die politischen Parteien, diese dringenden Bedarfe ernst zu nehmen und konkrete Maßnahmen im Koalitionsvertrag zu verankern.
Und an die möglichen Koalitionspartner von Rot-Grün-Rot in Berlin: Just call us! 😉 Lars Düsterhöft und Katina Schubert waren bereits bei Barka in Poznań und konnten sich selbst ein Bild machen. Für alle anderen organisieren wir gerne einen Tagesausflug, um zu zeigen, wie unser Ansatz vor Ort funktioniert – und was wir davon auch in Berlin aufbauen möchten.






